IHRE PERSÖNLICHE BERATERIN

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Wie ich dich liebe? Lass mich zählen wie. 
Ich liebe dich so tief, so hoch, so weit, 
als meine Seele blindlings reicht, wenn sie 
ihr Dasein abfühlt und die Ewigkeit. 

Ich liebe dich bis zu dem stillsten Stand, 
den jeder Tag erreicht im Lampenschein 
oder in Sonne. Frei, im Recht, und rein 
wie jene, die vom Ruhm sich abgewandt. 

Mit aller Leidenschaft der Leidenszeit 
und mit der Kindheit Kraft, die fort war, seit 
ich meine Heiligen nicht mehr geliebt. 

Mit allem Lächeln, aller Tränennot 
und allem Atem. Und wenn Gott es gibt, 
will ich dich besser lieben nach dem Tod.

Rainer Maria Rilke, 1908

 


 

Ich sehne mich nach einer Sprache, die verbindet,

einer Sprache, die aufweckt,

einer Sprache, die ein neues Miteinander ermöglicht,

einer Sprache, die das Unaussprechliche ausspricht,

das Unhörbare hörbar macht.

Ich wünsche mir eine Sprache, die das Leben weckt und aufrichtet,

die ermutigt, klärt und befreit.

 

ANSELM GRÜN

 



Wir
wollen
glauben
an
ein langes Jahr,
das uns gegeben ist,
neu,
unberührt, voll nie gewesener Dinge,
voll nie getaner Arbeit,
voll Aufgabe,
Anspruch und Zumutung.
Wir wollen sehen,
dass wir‘s nehmen lernen,
ohne allzu viel fallen zu lassen
von dem
was es zu vergeben hat, an die,
die Notwendiges, Ernstes und
Großes von ihm verlangen.

 


RAINER MARIA RILKE ZUM NEUEN JAHR
Brief an seine Frau Clara vom 1. Januar 1907


 


Die Hand, die die Liebe weckt ...

Es gibt immer einen Menschen auf der Welt, der einen anderen sucht, sei es inmitten der Wüste, sei es inmitten der großen Städte.
Und wenn diese Menschen einander begegnen, begegnen sich ihre Blicke und die Vergangenheit und die ganze Zukunft verlieren jede Bedeutung. Es gibt nur diesen Augenblick und die unglaubliche Gewissheit, dass alle Dinge unter dem Himmel von derselben Hand geschrieben wurden.

Es ist die Hand, die die Liebe weckt und eine Schwesterseele für jeden Menschen geschaffen hat. Denn sonst hätten die Träume der Menschen keinen Sinn.

Paulo Coelho

 


Schöne Gedanken fürs Wochenende!


Eine schöne Zeit und bis bald!


Ihre
Christa Staudigl

 


 

Die Geschichte von der Wahrheit.

Von Folke Tegetthoff

 

Die Wahrheit lief durch die Straßen -  nackt und bloß, wie am Tag ihrer Geburt. Doch niemand wollte die Wahrheit in sein Haus lassen, denn ein jeder hatte Angst vor ihr.

Als die Wahrheit wieder eines Tages durch die Straßen lief auf der Suche nach einer offenen Tür, da traf sie - das Märchen.  Das Märchen trug wunderbare Farben, prächtige Kleider und Masken und ein jeder liebte es. Als das Märchen die Wahrheit so traurig durch die Straßen laufen sah fragte es:

„He was ist los mit dir, warum bist du so traurig? Das Leben ist doch so schön?“  Und da antwortete die Wahrheit: „Ach weißt du, die Menschen -  haben Angst vor mir.“

Da lächelte das Märchen und meinte: „ich werde dir ein Geheimnis, ein großes Geheimnis der Menschen verraten!“ „Sie lieben es, wenn man sich verkleidet, wenn man bunte Gewänder und Masken trägt“. Ich werde dir einige meiner bunten Gewänder und Masken schenken.

Da zog das Märchen einige seiner bunten Gewänder und Masken aus und gab sie der Wahrheit.

Seit diesem Tag wandern Wahrheit und Märchen gemeinsam durch die Welt – und alle Menschen lieben sie!

 


 

Ich möchte dich lieben, ohne dich einzuengen, 
dich wertschätzen, ohne dich zu bewerten, 
dich ernst nehmen, ohne dich auf etwas festzulegen, 
zu dir kommen, ohne mich aufzudrängen,
dich einladen, ohne Forderungen an dich zu stellen,
dir etwas schenken, ohne Erwartungen daran zu knüpfen, 
von dir Abschied nehmen, ohne Wesentliches versäumt zu haben, 
dir meine Gefühle mitteilen, ohne dich für sie verantwortlich zu machen, 
dich informieren, ohne dich zu belehren, 
dir helfen, ohne dich zu beleidigen, 
mich um dich kümmern, ohne dich verändern zu wollen, 
mich an dir freuen, so wie du bist.


Wenn ich von dir das Gleiche bekommen kann, dann können 
wir uns wirklich begegnen und uns gegenseitig bereichern. 

(Wandspruch in einem engl. Souvenierladen)

 


 


Jede gute Sache im Leben,
jeder Sieg der Liebe über den Hass,
der Gerechtigkeit über die Ungerechtigkeit,
der Gleichheit und Brüderlichkeit über die Ausbeutung,
der Eintracht über die Zwietracht,
gibt Zeugnis für die Auferstehung in unserem Leben.

(V.Caminando)

 


 

Spuren
Mit jedem Schritt, den du tust,
und in jeder Begegnung,
die dir geschenkt wird,
hinterlässt du Spuren.
Ich wünsche Dir,
dass du Spuren der Freude
hinterlässt und des Glücks. 
Spuren der Hoffnung
und der Liebe,
Spuren der Gerechtigkeit
und des Friedens,
und da wo du anderen
weh getan hast,
Vergebung erfährst.

Christa Spilling-Nöker



Ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten und ein gesegnetes neues Jahr!

Ihre Christa Staudigl 

 



Der Herbst ist die Zeit wo wir dankbar sind.
Die scheinbaren Selbstverständlichkeiten, wie
Nahrung und Wohnung, Begegnungen mit
anderen Menschen, sind ein Geschenk,
das wir nicht nur unserem eigenen Bemühen
zu verdanken haben.
Wer dankbar ist, kann die Vergangenheit
annehmen sich an der Gegenwart erfreuen
und kommt auf neue Ideen für die Zukunft.

Wenn du das Leben als Geschenk betrachtest,
wirst du erkennen, wie kostbar die Zeit
ist und wie viele Geschenke wir jeden Tag
erhalten.

Ich wünsche dir immer wieder Geduld,
damit du einen reichen Herbst erleben kannst,
der dich mit seiner Fülle beschenkt und überrascht.
Mit Geduld beginnt vieles in deinem Leben zu wachsen
Und zu reifen, oft im Verborgenen.

Du kannst nicht alles selbst bewirken.
Wenn du den Dingen und Menschen Zeit
lässt, damit sie sich entwickeln können,
wirst du durch eine erstaunlich reiche Ernte
belohnt.

Thomas Romanus
 


Augenblick 


Es gibt Augenblicke im Leben, die unvergesslich sind, weil sie sich in unser tiefstes Innerstes einprägen. So einprägen, dass sie in unserer Erinnerung jederzeit abrufbar sind. In meinem Urlaub, im Sommer letzten Jahres gab es so einen „Augenblick“, den ich nie vergessen werde, weil er mein Innerstes tief berührte.

In der Morgenpost im Hotel wurde eine Vernissage am Abend angekündigt. Es war eine Ausstellung der besonderen Art. Jugendliche mit Behinderung stellten ihre Bilder aus.
Schon während des Tages wurden die Kunstwerke auf den Staffeleien aufgestellt und beschriftet. Meine Neugierde ließ es nicht zu, mich in Geduld zu fassen und bei jedem Gang zum See sah ich mir die bereits ausgestellten Werke an.

Ich hatte für mich beschlossen, dass ich eines der Bilder erstehen würde. Es war mir ein Bedürfnis, diese gute Idee, junge Künstler einzuladen und ihre Arbeit dadurch zu unterstützen, mit meinem Kauf zu würdigen.
Am späteren Nachmittag, als mich mein Weg wieder einmal an den Bildern vorbei führte, war es dann so weit. Ich habe es gefunden – „mein Bild“! Herr Sandi hat es gemalt. Er arbeitet vormittags in einer Küche, und am Nachmittag lässt er seiner Kreativität freien Lauf, las ich auf der Rückseite.

Es trägt den Titel „Augenblick“, ist rechteckig, dunkelgrün und in der Mitte hat es einen weißen Fleck. Mit weißer Farbe steht geschrieben: „Die Vergangenheit ist Geschichte, die Zukunft ein Traum und dieser Augenblick ist ein Geschenk!“
Getroffen, sehr berührt von Kopf bis Fuß, von dem Text und von der Sichtweise des „Augenblicks“ des Künstlers, stand ich da. Das ist mein Bild, das nehme ich mit nach Hause, dachte ich.

Dann kam der Abend. Die Besucher der Ausstellung flanierten mit einem Glas Sekt durch die Galerie und bestaunten die Kunstwerke. In einer Ecke, abseits von den Besuchern, stand ein Grüppchen junger, etwas schüchterner Menschen. Das sind sie, dachte ich bei mir. Man sah ihnen an, dass sie besondere Menschen waren. Trotz Unsicherheit und emotionalen Überforderung des Augenblicks, strahlten ihre Augen als wäre Weihnachten. Sie waren in Erwartung, ob ihre Bilder, ihre Kunstwerke gefallen finden würden, ob sie jemand so gut findet, dass das eine oder andere Bild gekauft wird.

Ich war von ihrem Anblick so berührt, dass mir Tränen in die Augen schossen. „Mein Bild“ rasch und unauffällig kaufend, gingen mein Mann und ich gleich in den Speisesaal.
Die jungen Leute waren nach Beendigung der Ausstellung zum Abendessen eingeladen. Ihr Tisch war in unserer Nähe gedeckt. Als sie den Speisesaal betraten, kam einer von ihnen aus dem Grüppchen strahlend auf mich zu und sagte:

„Ich bin ein Künstler, ich habe mein Bild verkauft, ich freue mich so!“ „Ja“, sagte ich, meine Rührung unterdrückend. „Wie sieht denn dein Bild aus", fragte ich ihn.

„Dunkelgrün mit einem weißen Fleck und einem Spruch“, strahlte er. Ich konnte gar nichts sagen. Mein Mann übernahm: „Meine Frau hat dein Bild gekauft!“

Er sah mich mit großen überraschten Augen strahlend an: „Du, du hast mein Bild gekauft?" Ich nickte mit ebenso glänzenden Augen der Rührung. Was für ein Zufall, was für ein „Augenblick“ war mir gegönnt!
Wenn Sie mich fragen würden: „Was gibst du dieser Begegnung für eine Farbe in deiner Emotion?“ Ich würde sagen – „Keine!"

Es ist Licht! Licht, das wie Sternschnuppen vom Himmel fällt und das in die Welt gekommen ist und dich – ob du willst oder nicht, ob du vorbereitet bist oder nicht – trifft.

 

Ihre Christa Staudigl

 


 

Erzählende Hände berühren mich!

 

Hände sind so ziemlich das Erste, worauf ich schaue, wenn ich einen Menschen kennen lerne. Ich liebe Hände, weil sie so viel über eine Person preisgeben. Beim Durchblättern eines Buches finde ich ein Bild, das eine Hand zeigt.

Es ist die offene Hand eines alten Menschen. Eine Hand, deren viele Fältchen und Linien wie ein Buch die Geschichte eines langen Lebens erzählen.

Ich kann nicht eindeutig erkennen, ob es die Hand einer Frau oder die eines Mannes ist, aber dieser Mensch hat viel und schwer gearbeitet. Die Fingerspitzen sind flach und die ganze Hand ist etwas verformt. Mag sein, dass die Ursache von einer Krankheit herrührt oder von einer Tätigkeit ist, die sehr lange verrichtet wurde. Hände alter Menschen sind weich und nicht sehr beweglich, auch das vermittelt mir dieses Bild.

Es ist nicht zu erkennen, ob diese offene, ausgestreckte Hand zum Gruß gereicht, oder fordernd aufgehalten wird. Ob sie zur Versöhnung angeboten, oder um Hilfe bittet.

Ist es eine Hand, die viel gestreichelt hat, die Kinder geführt hat, die zum Gruß gewinkt hat, die großzügig gegeben und Gutes getan hat? Oder ist es die ermahnende Hand, die Hand, die viel getadelt hat, die geschlagen hat, die weggenommen hat? Viele Gedanken gehen mir durch den Kopf.

Ich will es aber nicht offen lassen.

Ich wünsche mir einfach, dass es die Hand eines guten Menschen ist. Ich möchte sie gerne nehmen. Es ist mir ein Bedürfnis sie zu berühren und zu spüren.

Ich wünsche mir, dass es die Hand einer Frau ist, die ihr Leben buchstäblich in die Hand genommen hat und es aktiv, mit allem was da gekommen ist, gelebt hat. Mit Freude, mit Zuversicht, mit Liebe, mit Leidenschaft, mit Trauer, mit Zorn und mit der tiefen Erkenntnis um das Geheimnis des Lebens.

Ich wünsche mir, dass sie das Leben weise gemacht hat. Dass sie die Zusammenhänge, die letztendlich den Sinn unseres Daseins ergeben, erkannt hat und mir so Hoffnung und auch Kraft für mein eigenes Leben mitgeben kann.

Es ist spät geworden.

Ich nehme in Gedanken diese Hand, die mir durch das innige Betrachten vertraut geworden ist und drücke sie sanft und sehr behutsam zum Abschied mit großem Respekt und großer Achtung vor dem lange gelebten Leben.


Ihre 

Christa Staudigl 


 

Die Hand, die die Wiege hält, bewegt die Welt …

 

Das war vor vielen Jahren mein Maturathema in Deutsch. Damals ging es um literarische Frauengestalten, die es zu vergleichen und zu interpretieren galt. Wenn ich die Frau "von heute" - mit der aus meiner Kindheit vergleiche,  gibt es auf den ersten Blick einen Unterschied. Was hat sich verändert?

Die Rolle der Frau ist heute anders, viel anders als vor 50 Jahren! Inwieweit stimmt das?

Das stimmt sicher, werden viele denken. Und doch, bei genauerem Hinsehen hat sich das Frauenbild zwar gewandelt, weil die Zeit schnelllebiger geworden ist – aber einfacher ist es nicht geworden. Heute hat eine Frau ein Vielfaches mehr an Arbeit. Obwohl ihr Küchenmaschinen, Waschmaschinen und die gesamte moderne Technik  zur Verfügung stehen. Sie ist berufstätig und dort voll gefordert. Daneben ist sie Familien-Managerin und Mutter und Geliebte. Sie ist sehr oft Alleinerzieherin oder mitten in einer Patchwork-Familie. Sie arbeitet dadurch viele Stunden mehr und hat es nicht immer leicht alles „unter einen Hut“ zu bringen.

Sie ist eine starke Frau, sie muss eine starke Frau sein, um allen Anforderungen gerecht zu werden. Das macht manchmal müde und einsam. Aber es ist alles zu machen, wenn die Liebe, die sie bekommt ein wesentlicher Bestandteil ihres Lebens ist. 

 

Gibt es Gemeinsamkeiten mit der Frau meiner Kindheit, meiner Mutter?

Da gibt es viele! Auch diese Frauen haben hart gearbeitet. Es waren andere Arbeitsplätze. Es waren viele Jahre Krieg, Not und Entbehrung. Sie mussten ihre Familien ernähren, weil die Väter bzw. Männer im Krieg waren. Sie zauberten aus „Nichts“ auch noch eine gute Suppe und erwachten täglich mit neuen Herausforderungen. Die schlimmen Umstände der Kriegsjahre und der Nachkriegszeit forderten sie so, dass sie mit ihren Kräften manchmal an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit waren. Auch sie waren Managerinnen, manchmal Geliebte und Mutter. Wenn man heute von den Frauen dieser Zeit spricht, von ihnen, die mitgeholfen haben unser Land wieder aufzubauen, dann spricht man von den „Trümmerfrauen“.

Sie waren starke Frauen, sie mussten starke Frauen sein, um allen Anforderungen gerecht zu werden. Auch das machte manches Mal müde und einsam. Aber es war alles zu machen, weil die Liebe, die Hoffnung und auch die Sehnsucht ein wesentlicher Bestandteil ihres Lebens waren.

Frauen bewegen diese Welt! Ob sie die Wiege halten, oder nicht. Ob sie Familie haben oder nicht. Sie sind es, die die Welt durch ihr Wesen und ihre Aufgabe schöner und friedvoller gestalten wollen. Sie sind es, die die Liebe und Wärme hinaustragen, wann immer sie können. 

 

Der Monat Mai ist der Frauenmonat und der Monat der Liebe. Es ist schön, eine Frau zu sein!

 

Bis bald!

Ihre Christa Staudigl


 

Warum gerade ich?


Was haben Sie in nächster Zeit vor? Die gewohnten Wege, die gewohnte Arbeit, das „Normale“ sozusagen? Oder gibt es schon Pläne, besondere Erwartungen? Was werden sie bringen, diese Tage und Wochen vor uns? Unsere Zeit ist schnelllebig, wer kann es wissen? Vielleicht werden alle Pläne „durchkreuzt“, unsere Hoffnungen zunichte gemacht.

Ich denke da an einen Mann, der von seiner Arbeit heimging. Er war müde, sein Job war hart, die Feldarbeit, die er gewohnt war, schaffte ihn an diesem Tag besonders. Im Gedanken war er schon bei den Seinen, als plötzlich einer schrie: „He, du da! Kommst gerade recht, hilf dem da sein Kreuz tragen!“ Bevor er noch überlegen kann, hat er schon das Kreuz auf dem Rücken und sein Weg führt in eine Richtung, in die er gar nicht gehen wollte. Er hat ein Kreuz zu tragen – und er trägt es – für einen, der dann in der Mitte sterben wird. Er hat ein großes Gefolge, dieser Kreuzträger Simon von Cyrene, aber sonst wird nicht viel von ihm berichtet, von ihm, dessen Weg an jenem Tag buchstäblich „durchkreuzt“ wurde…

Ich glaube, dass er sich einige Male die Frage gestellt haben wird: „Warum gerade ich?“ „Wie komme ich dazu?“ Doch trotz all dem, ist dies eine Begegnung mit Jesus, eine Begegnung, nach der nichts mehr wie vorher war.

Unverhofft legt das Schicksal dem einen oder anderen von uns ein Kreuz auf. Wie schwer manche an diesem Kreuz zu tragen haben, erfahren wir täglich in den Nachrichten. Es sind Millionen von Menschen mit Namen und Gesicht, zu einem großen Teil sind es auch Kinder, die Opfer von Gewalt, Diskriminierung oder ganz alltäglicher Armut sind. Menschen verhungern, Katastrophen reißen Menschen und Existenzen weg.

Aber auch in unserer ganz unmittelbaren Umgebung begegnen wir Menschen, die schwere Krankheiten, körperliche und seelische Not und harte Schicksalsschläge zu verkraften haben. Wortlos, erschüttert und selbst sehr betroffen, wenn es um einen nahestehenden Menschen geht, stehen wir da und fragen nach dem „warum“.

 

Doch, wie es damals Simon von Cyrene zugerufen wurde, hören auch wir in uns eine Stimme, die uns sagt: „He, du da! Kommst gerade recht, hilf dem da sein Kreuz tragen!“ Wer sich vom Leid der Welt berühren lässt, sich mit den Betroffenen solidarisiert, seinen Weg „durchkreuzen“ lässt und eine andere Richtung einschlägt, der begegnet ihm - Simon von Cyrene.

Diese Solidarität ist nicht Ausdruck naiver Sozialromantik, kein billiges Mitleid, das sich einen Moment herablässt, die Not anderer wahrzunehmen. Sie ist vielmehr in erster Linie und vor allem ein Handeln und in diesem Sinne mehr ein Weg, als eine Antwort. Sie hat zum Ziel, Armut und Not zu überwinden und das Leid der betroffenen Menschen nach eigenen Möglichkeiten und Kräften zu verringern. Solidarität durch Anwesendsein und Anhalten, selbst dort, wo sie nichts mehr zu ändern vermag, wo sie nur noch an der Ohnmacht der Opfer teilhaben und ihnen stumm zur Seite stehen kann.

 

Kreuz tragen helfen bedeutet in einem sehr realistischen Sinn – für jeden von uns – mitzuhelfen, sich zu öffnen, sich verwundbar zu machen für die Not und das Leid der Anderen.

 

Ostern, das Fest mitten im Frühling, ist eine Aufforderung an uns.

 

Ihre Christa Staudigl

 


 

Beschenkt mit meinem Familienschatz ...

 

Immer dann, wenn sich die Natur zurückzieht und der Winter seine weiße Hand ausstreckt, immer dann haben wir besonders das Bedürfnis nach Wärme und Geborgenheit. Es ist die Zeit, wo wir in unseren Wohnungen oder an unserem Arbeitsplatz mit Kerzen und aromatischen Düften eine besondere Atmosphäre schaffen. Wir setzen mit bunten Farben Akzente und genießen mit Punsch, Tee und Lebkuchen das Treffen mit Freunden oder die Zeit mit unserer Familie. Genau so mache ich es auch. Ich habe heuer beschlossen, meine ganz persönlichen Schätze, wie wichtige Fotos, „Liebesbriefe“ meiner Kinder, Zeichnungen und Zeitdokumente zu ordnen und an meine erwachsenen Kinder als „Familienschatz“ weiterzugeben.

 

Zwischen all den Briefen und Zeichnungen ist ein Bild, von dem ich erzählen möchte. Es ist ein ganz besonderes Foto. Mein Mann und sein Bruder sind darauf abgebildet. Eine alte Fotografie, auf der sich die beiden Buben, 5- und 10-jährig, umarmen und wie aneinander festhalten. Ihr Vater war im Krieg, und ihre Mutter hatte das Foto mit einem Paket in die Gefangenschaft nach Sibirien geschickt. Mit schöner Handschrift schrieb sie auf die Rückseite des Bildes belanglose Alltäglichkeiten, weil ja die Post damals geöffnet und gelesen wurde. Zwischen den Zeilen lese ich aber schon von ihren Sorgen und Sehnsüchten und von ihrer Liebe zu ihm. Diese Zeilen sollen ihm Freude, Mut und Hoffnung auf ein Wiedersehen machen.

 

Das ist jetzt mehr als 60 Jahre her. Er kam zurück und mit ihm dieses Bild, das er immer bei sich trug. Es hat ihn tatsächlich „am Leben erhalten“, besonders dann, wenn er dachte, es nicht mehr auszuhalten. Dieses Zeitdokument berührt mich sehr, und es ist mir sehr wichtig, es als einen „Familienschatz“ weiterzugeben, weil es auch uns, als Familie, in weiteren Generationen Mut machen soll. Mut, in schweren Zeiten die Hoffnung nicht zu verlieren. Das Ziel im Auge zu behalten und den Weg fortzusetzen, auch wenn es manches Mal fast nicht zu schaffen ist. Mein Schwiegervater hat die Botschaft „zwischen den Zeilen“ verstanden. Für ihn war es lebensrettend zu wissen, dass er – egal wo er ist – erwartet, geliebt und getragen wird und jederzeit willkommen ist.

 

Dieses Erwartetwerden, Geliebtsein, Getragensein, ein Nest zu haben, wo ich geborgen und willkommen bin, das ist ein großes Geschenk und für mich, Inbegriff eines inneren Glücks. Dieses Glück ist, wie Vieles, nicht selbstverständlich. Jeder, der es haben will, muss auch daran arbeiten – etwas dafür tun. Vor allem auch: persönlich viel geben, um auch davon beschenkt zu werden.

Die Welt hat sich nicht geändert. Draußen, vermeintlich weit weg, gibt es noch immer Krieg, Gefangenschaft, Not, Krankheit und Hoffnungslosigkeit, wie damals. Wortlos, manchmal sehr betroffen und scheinbar machtlos dieser Not gegenüber, hören und lesen wir davon. Möge jeder von uns seinen Beitrag für eine „bessere“, von Hoffnung und Frieden erfüllte Welt leisten. Und möge diese von der Wärme der Kerzen erfüllte Zeit der Erwartung, wie die Adventzeit auch genannt wird, Herzen öffnen und Suchenden Einlass gewähren.

 

Ein letztes Mal blicke ich auf meine Schätze und übergebe sie mit großem Dank an mein Leben, an meine Familie. Mein Dank gilt auch meinen Freunden und Weggefährten, deren Zuneigung und Liebe ich, in Worten dokumentiert, in meinen Händen halte. Ich wünsche Ihnen eine schöne Adventzeit und ein friedvolles Weihnachtsfest. Das kommende Jahr 2015 soll ein gutes Jahr für Sie werden, in dem Sie gesund bleiben mögen und sich viele Ihrer Wünsche und Träume erfüllen.

 

Ihre Christa Staudigl

 

Text aus der Hauszeitung Weihnachten 2014

 


 

Ein Herz

Eines Tages stand ein junger Mann in der Stadt und erklärte, dass er das schönste Herz im ganzen Tal habe. Eine große Menschenmenge versammelte sich, und bewunderte sein Herz. Es war wirklich makellos schön und das schönste Herz, das sie je gesehen hatten. Da trat plötzlich ein alter Mann aus der Menge hervor und sagte: "Nun, dein Herz ist schön, aber nicht annähernd so schön, wie meines. Die Menschenmenge und der junge Mann schauten das Herz des alten Mannes an. Es schlug kräftig, aber es war voller Narben, es hatte Stellen, an denen Stücke entfernt und durch andere ersetzt worden waren. Diese aber passten nicht richtig zusammen, und es gab einige ausgefranste Ecken. An manchen Stellen waren tiefe Furchen, wo ganze Teile fehlten. Verwundert starrten ihn die Leute an: Wie kann er behaupten, sein Herz sei schöner, dachten sie?
“Du scherzt“, sagte der junge Mann und zeigte auf das Herz des alten Mannes. "Dein Herz mit meinem zu vergleichen ist vermessen. Meines ist perfekt, und deines ist ein Durcheinander aus Narben und Tränen."

 

"Ja", sagte der alte Mann, "deines sieht perfekt aus, aber ich würde niemals mit Dir tauschen. Jede Narbe steht für einen Menschen, dem ich meine Liebe gegeben habe. Ich reiße ein Stück meines Herzens heraus und reiche es ihnen, und oft geben sie mir ein Stück ihres Herzens, das an die leere Stelle meines Herzens passt. Aber weil die Stücke nicht genau sind, habe ich einige raue Kanten, die ich sehr schätze, denn sie erinnern mich an die Liebe, die wir teilten.

Manchmal habe ich auch ein Stück meines Herzens gegeben, ohne dafür ein anderes zurückzubekommen. Das sind die leeren Furchen. Du kannst nicht erwarten, dass du, wenn du gibst, etwas zurückbekommst. Das Risiko wirst du aber, wenn du gibst, immer eingehen müssen. Auch wenn die Furchen schmerzhaft sind, bleiben sie offen, und auch sie erinnern mich an die Liebe, die ich für diesen Menschen empfinde. Ich habe aber Hoffnung, dass ich eines Tages jene Menschen noch einmal treffen werde, und vielleicht werden sie mir dann ein Stück ihres Herzens geben. Wenn das so sein wird, ist der Platz ausgefüllt. Erkennst du jetzt was wahre Schönheit ist?"

 

Der junge Mann stand still da, und Tränen rannen über seine Wangen. Er ging auf den alten Mann zu, griff nach seinem perfekten, jungen und schönem Herzen und riss ein Stück heraus und bot es dem alten Mann mit zitternden Händen an.
Dieser nahm es vorsichtig, fast zärtlich und setzte es in sein Herz. Er nahm dann ein Stück seines alten vernarbten Herzens und füllte damit die Wunde in des jungen Mannes Herzens. Dieser sah sein Herz an. Es war es nicht mehr makellos, aber doch schöner als je zuvor, und er spürte, wie die Liebe des alten Mannes sein Herz erfüllte. Beide Männer umarmten sich und gingen ihrer Wege, so lange, bis ihre Herzen aufhörten zu schlagen. Ein Herz kann man nicht kaufen, doch wenn man Glück hat, bekommt man es geschenkt!
(Verfasser unbekannt)

 

Ihre Christa Staudigl
 


 

 

Der Koffer des El Cid

 

Wir waren vor einiger Zeit unterwegs nach Santiago de Compostela.

Eine der schönsten Städte auf dem Weg ist Burgos. El Cid, der spanische Nationalheld aus der Zeit der Reconquista Rodrigo Diaz de Vivar, lebte dort und ist dort begraben - an der Seite von Donna Jimena, seiner Ehefrau. Ich kenne das Leben von „El Cid“ von dem gleichnamigen Film aus meiner Jugendzeit. Charlton Heston und die großartige Sophia Loren waren die Hauptdarsteller, und die Geschichte des El Cid blieb mir in Erinnerung.

Die Führerin in der Kathedrale von Burgos erzählte uns folgende Geschichte aus dem Leben des Cid, die mich sehr beeindruckte:


Zu jener Zeit, da König Alfons VI. seinen treuen Gefolgsmann El Cid zu Unrecht verbannt, setzt er ihm eine strikte Frist. Neun Tage bleiben dem Cid, um sein geliebtes Kastilien zu verlassen. Er beweint den Abschied aus seinem Heimatort Vivar und begibt sich nach Burgos, wo ihn aus Furcht vor Strafe niemand aufnehmen will. Der in königliche Ungnade gefallene Adelige kommt nicht umhin, sein Lager vor den Toren der Stadt aufzuschlagen. Einzig Martin Antolinez, ein mutiger burgalesischer Edelmann, versorgt ihn mit Wein und Brot.


In akute Geldnot geraten, ersucht ihn der Cid um weitere Mithilfe und schickt Martin Antolinez nach Burgos hinein zu Raquel und Vidas, zwei jüdischen Händlern. Im Tausch gegen ein stattliches Leihsümmchen bietet er ihnen zwei große Koffer als Schatzdepots an.

Seine auf diese Art hinterlegten Reichtümer – lässt der Cid ausrichten – könne er nicht mitnehmen, da sie zu schwer seien. Beide sind mit feinstem rotem Leder und vergoldeten Nägeln verziert. Im Vertrauen auf ein gutes Geschäft willigen Raquel und Vidas ein. Im Schutz der Nacht brechen sie mit Martin Antolinez zum Lager auf, und dieser nimmt ihnen den Schwur ab, die Koffer unter keinen Umständen im laufenden Jahr zu öffnen. Mit den Schätzen als Garantie in ihrer Obhut, malt ihnen der Cid ein ewiglich sorgloses Leben aus, falls er nicht zurückkommt.
Am nächsten Morgen nimmt der Cid Abschied von Burgos.

Die Zeit verging und nach einem Jahr kam El Cid zurück, gab das geliehene Geld zurück und öffnete vor den Augen von Raquel und Vidas die Koffer …

Was glauben Sie, was drinnen war?


Es waren nur Sand und Steine drinnen und sein Ehrenwort - wieder zu kommen, um seine Schulden zurück zu zahlen.

Die Geschichte hat mich sehr berührt, weil sie mich an Situationen in meiner Kindheit erinnert hat. Ich komme aus dem Weinviertel, wo meine Eltern einen landwirtschaftlichen Betrieb hatten. Oft begleitete ich meinen Vater voll Stolz, wenn er für den Hof Tiere einkaufte, Getreide und Gemüse verkaufte und einfach seine Geschäfte erledigt.

Wenn ein Geschäft zum Abschluss gebracht wurde, gaben sich die Partner die Hand und besiegelten das Vereinbarte damit. Das gegebene Wort wurde eingehalten. Die Qualität, die man liefern wird, ist diese vereinbarte Qualität. Mit dem Handschlag gab man seinem Partner diese fixe Zusage.

Ehre und Stolz – so empfand ich es – strahlten diese Menschen aus, mit sehr großem Respekt füreinander. Menschen mit „Handschlagqualität!“ sagte mein Vater immer.

Es hat sich mit den Jahren Vieles verändert, und ich habe so manche GeschäftspartnerInnen auf meinem Weg getroffen, deren gegebenes Wort die gleichen Qualität hatte, wie die der Bauern von damals.

Menschen mit „Handschlagqualität" gibt es noch, aber ich finde, ... weniger sind sie geworden.

 

Ihre Christa Staudigl